Eine vergleichbare
Pseudo-Familienpolitik, wie Sie auch heute im Jahre 2009 betrieben
wird, gab es zu Hitlers Regentenzeit. Dies war damals - wie heute -
notwendig, da die Geburtenrate massiv sank und der deutsche
Nachwuchs, und somit auch in der Hitler-Zeit das Überleben der
deutschen Rasse drastisch gefährdet war.
Gebärenden Eltern damals wie
heute wurden Sonderkonditionen, quasi eine Geburtenprämie
zugesichert. Was heute das Erziehungsgeld ablösende Elterngeld ist,
gab es seinerzeit als Darlehen bereits ab Eheschließung ausgezahlt.
1934 wurde zur Förderung der
Geburtenrate durch die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV)
das Hilfswerk "Mutter und Kind" gegründet.
Der damalige Reichsführer der
SS, Heinrich Himmler rief am 12. Dezember 1935 den Lebensborn e. V.
ins Leben, der Heime erbauen ließ, in denen unehelichen Müttern vor
und nach der Geburt Unterschlupf und Unterkunft gewährt wurde.
Zur Aufnahme einer damals als
"gefallenes Mädchen" bezeichnenden Gebärdenden in ein
Lebensborn-Heim musste sie ein strenges Aufnahmekriterium erfüllen:
die Reinrassigkeit des zu gebärenden Kindes.
An Eides statt musste die
Kindsmutter erklären, dass das Kind von einem arischen Mann gezeugt
wurde, und auch sie selbst arischer Rasse entspringt. Auch musste
ein Abstammungsnachweis erbracht werden, der von arischen Vorfahren
zeugte, ebenso wurde von den Naziärzten eine
Unbedenklichkeitserklärung bezüglich der genetischen "Gesundheit und
Güte" erstellt. Hat eine Schwangere dieses strenge,
nationalsozialistische Aufnahmeverfahren nicht unbeanstandet
erfüllt, wurde ihr die Aufnahme in einem solchen Lebensborn e. V.
verweigert.
Säuglinge, die in den
Lebensbornheimen das Licht der Welt erblickten, wurden dann an
SS-Angehörige zur Adoption oder zur Pflege feilgeboten. Als der
laufende Krieg die deutsche Bevölkerung zunehmend vernichtete,
wurden mehr "gefallene Mädchen" durch die strenge Aufnahmeprüfung
gelassen.
1936 wurde das zuvor der
Caritas gehörende Kinderheim im oberbayerischen Steinhöring (Nähe
Ebersberg) als erstes Lebensborn-Heim unter dem Namen "Hochland"
auserkoren, welches anfänglich 30 Betten für Mütter mit bis zu 55
Kindern, später mit doppelter Bettenanzahl ausgestattet war.
In Deutschland wurden durch
den Lebensborn e. V. im Laufe der Zeit 10 Lebensborn-Geburtshäuser
gegründet und man geht davon aus, dass ca. 8.000 Kinder, die die
gestrenge Arierprüfung bestanden haben, geboren wurden.
Später, etwa ab 1938 weitete
der Lebensborn e. V. die Einrichtung dieser Geburtshäuser auch auf
Luxemburg, Belgien, Österreich, Polen, Holland, Frankreich und
Norwegen aus.
Das norwegische Volk entsprach
nach Himmlers Ideologie am ehesten den "rassischen Gütekriterien",
und so kam es, dass zwischen 1940 - 1945 geschätzte 12.000 Kinder in
den Lebensborn-Geburtsanstalten den Weg ins Leben fanden.
Die Vormundschaft für die
vaterlos geborenen Kinder übernahm der Lebensborn e. V.
Kam ein behindertes oder
krankes Kind zur Welt, wurde dies zumeist in die Tötungsanstalten
des NS-Regimes verbracht und fanden dort ihr frühes Ende.
Da der "Bedarf" an arischen
Kindern von deutschen Müttern nicht ausreichend gedeckt wurde,
verschleppte der Lebensborn e. V. aus den, von Deutschland besetzten
Gebieten, weitere "rassisch wertvolle" Kinder mit geeigneten
Erbanlagen. Erfüllten diese nach der Verbringung nach Deutschland in
ein Nazi-Artztlager, wurden sie dort auf die "arische Tauglichkeit"
untersucht, wurden sie in der Lebensborn-Umerziehungsanstalt auf die
"guten deutschen Tugenden" getrimmt, und arisch "vergütet".
Die selektierten Kinder, die
den "Arier-Check" nicht bestanden, kamen ebenfalls in die
Tötungsanstalten oder endeten in den Händen der Nazi-Ärzte wie
beispielsweise Mengele als menschliches Versuchsobjekt.
Im weiteren Verlauf des
Krieges und bei zunehmendem Bevölkerungsverlust und anhaltender
sinkender Geburtenrate kam es zu einem Generalerlass, dass "über
alle Grenzen vielleicht sonst notwendiger bürgerlicher Gesetze und
Gewohnheiten hinaus" für Nachwuchs zu sorgen sei. Himmler erteilte
somit den Befehl an die SS und die Polizei, so viele Kinder wie
möglich zu zeugen, egal, ob beim Zeugungsakt Gesetze eingehalten
würden oder nicht. Im Gegenzug dafür sicherte Himmler zu, dass allen
Kindern die so gezeugt wurden, unabhängig ob ehelich oder nicht,
nach dem Tod der Erzeuger, die SS die Vormundschaft für die Kinder
übernähme.
Es wurde indirekt zu
Vergewaltigungen und Ehebruch aufgerufen.
Den "gefallenen Mädchen" bot
sich eine, für damalige Zeiten eine vermeintlich gute Lösung all
ihrer Probleme. Sie fanden aus der eigenen Perspektive heraus in den
Lebensborn-Heimen Zuflucht vor Ächtung, Ehrverletzung und
finanzieller Mittellosigkeit, fanden stattdessen Anerkennung.
Der Lebensborn e. V. schuf
eigene Standes- und Meldeämter, um so den "gefallenen Mädchen" die
anonyme Geburt zuzusichern.
Die Lebensbornkinder wurden
durch ein pseudochristliches Ritual gepaart mit
germanisch-nationalsozialistischer Symbolik getauft. Bei der Taufe
wurde dem Säugling ein Dolch aufgelegt und er wurde unter der
Hakenkreuzfahne geweiht. Anlässlich der Taufe erhielt jeder Säugling
einen von KZ-Häftlingen in Dachau angefertigten Kerzenleuchter
geschenkt.
Da die ärztliche Versorgung
der gebärenden Mütter in den Lebensborn-Heimen außerordentlich
qualitativ war, um so unbedingt "hochwertige Rassekinder"
hervorzurufen, und die Heime zudem auch vornehmlich in sicherem,
nicht bombadierten Gelände lagen, begaben sich auch die gut
situierten SS-Führer-Frauen zur Entbindung in die Lebensborn-Heime.
Die wichtigsten deutschen
Lebensborn-Heime im Grenzgebiet 1937 waren:
"Taunus", Wiesbaden (Hessen)
"Kurmark", Klosterheide
"Schwarzwald", Nordrach (Baden)
"Sonnenwiese", nähe Leipzig
"Pommern", Bad Polzin (Polen,
damals jedoch deutsch-besetztes Gebiet)
" Friesland" bei Bremen
"Hochland", Steinhöring (Bayern)
"Kriegsmütterheim" Stettin
"Franken", Schalkhausen (Bayern)
"Harz", Wernigerode (Harz)
Lebensbornheime in anderen
Ländern:
Polen: "Heimstätt"
Holland: "Gelderland"
Belgien: "Ardennen"
Luxemburg: "Moselland"
Österreich: "Ostmark" bzw. später
"Wienerwald", "Alpenland"
Frankreich: "Westland" bzw.
später "Westwald"
Norwegen: "Geilo", "Godthabb", "Hurdalsverk",
"Bergen", "Stalheim", "Stadtheim Oslo", "Stadtheim Trondheim", "Heim
Os"
Recherchiert man heute über
Kinderheime, ist signifikant kennzeichnend, wie viele Heime,
Kinderhäuser und ähnliche Einrichtungen unmittelbar nach der
Kriegszeit wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Insofern wir
nicht unterstellen, dass auch eine Motivation des
Lebensborn e. V. die finanzielle Vorteilnahme war, lässt sich nur
schwer bemessen, inwieweit es einen tatsächlichen Bedarf an Heimen
gab.
Fakt ist, dass allen Heimen
der Nachkriegszeit spätestens nach 18 Jahren die vielen
Kriegswaisenkinder entwachsen sind, und eine Stagnation der
Kinderbelieferung eintrat, der, um die sämtlichen Heime am Leben zu
erhalten, dringend entgegen zu wirken war. War das die Geburtsstunde
des Kinderklaus?
Geschichtlich ist die Frage,
ob es Trittbrettfahrer des Lebensborn e. V. gibt. Liest man auf so
manchen von Heimen, Kinderhäusern oder Kinderdörfern die jeweils
eigene Geschichte, lassen sich deutliche Parallelen erkennen. Ein
Beispiel von vielen habe ich mal hier einkopiert (den Text im
Original findet man
hier).
"Gegenüber
dem Eingang zu unserem heute nicht mehr existierenden
Schwimmbad
ließ Pfarrer Magnani ein Haus bauen, in dem er ein Säuglingsheim
einrichtete.
Man bedenke,
wie schlimm es in jenen Jahren für eine junge Frau war,
unverheiratet ein Kind zu erwarten. Die „Pille“ war noch
nicht verfügbar. Von „gefallenen Mädchen“ sprach man damals,
und die Unglückseligen wurden nicht selten in ihrem
heimatlichen Umfeld in erheblichem Maße diskriminiert, im
schlimmste Fall sogar aus der Familie
verstoßen.
Heute hat sich das geändert; junge Frauen nennen sich in
solcher Lage mit erhobenem Haupt „allein erziehende Mutter“
und genießen gesellschaftlichen Schutz.
Pfarrer
Magnani bot damals jungen Frauen, die sich in einer solch
fatalen Situation befanden, die Möglichkeit, in der Klinge
zu wohnen und einer Beschäftigung nachzugehen, bis das Kind
geboren wurde. Auf diese Weise versuchte er, die jungen
Frauen von einer Abtreibung abzuhalten und sich für das
junge ungeborene Leben zu entscheiden.
Außerdem
schuf er mit dem Säuglingsheim für solche jungen Mütter, die
nicht
selbst in der Klinge unterkamen, eine Gelegenheit, ihr
Neugeborenes für eine gewisse Zeit in sichere Obhut zu geben
und sich um den Aufbau einer eigenen Zukunft zu bemühen."
Ebenfalls auffällig häufig ist
auf Internetseiten von Heimen, Kinderhäusern oder Kinderdörfern, die
bereits vor den Kriegsjahren gegründet wurden, dass in deren Vita
keine Angaben vor, während und nach der Kriegszeit zu finden sind.
Auch hier ein paar Beispiele:
Das Wächterheim in Kirchberg (Mitglied im Diakonischen Werk)
1894
Eine Gruppe
Stuttgarter Gemeindeglieder gründet in Kirchheim ein Versorgungshaus
für "erstmals Mutter werdende Mädchen". Freifrau von Wächter
unterstützt das Haus großzügig. Zum 25 jährigen Jubiläum gibt
Freifrau von Wächter die Erlaubnis, dass das Haus ihren Namen tragen
darf.
1914
Das Haus
wird zur Entbindung auch für Frauen aus Kirchheim und Umgebung
geöffnet.
1918
Haller
Schwestern übernehmen das Haus.
1920 - 1960
Das Haus
wird wegen Platzmangel immer wieder umgebaut und erweitert.
1968
Die
Entbindungsstation muss eingestellt werden - über 10.000 Kinder sind
inzwischen im Heim zur Welt gekommen.
1968
Im
Säuglings- und Kleinkinderheim entstehen 5 Wohngruppen für
Schulkinder und Jugendliche.
Geschichte des Hauses
Die Gemeinde Buer hatte
um die Jahrhundertwende eine große Anzahl Waisenkinder zu versorgen.
1900 gründete Pfarrer Strumann für
23 katholische Waisenkinder das Erler Waisenhaus, das zunächst
notdürftig in der Kaplanei untergebracht wurde. Um den Unterhalt zu
sichern, zahlte die Gemeinde Buer 40 Pf. pro Kind und Tag, zuzüglich
Lernmittel.
1902
erkannte der erste Pfarrer von St. Barbara in Erle, Bernhard
Strumann die Notwendigkeit, ein Krankenhaus, ein Altenheim und ein
Waisenhaus zu bauen. Viele Erler Bürger, der Herzog von Arenberg und
die Zeche Graf Bismarck unterstützten sein Vorhaben.
1905 konnten bereits 30 Kinder und
4 Vorsehungsschwestern in einen geräumigen Neubau am jetzigen
Standort Cranger Str. 231 einziehen. Mit der Waisenhausarbeit wurde
von Anfang an die Erziehung vorschulpflichtiger Kinder in einer
Kinderbewahrschule sowie die hauswirtschaftliche und
hauspflegerische Bildung von Mädchen verbunden (Nähschule,
Hauswirtschaftsschule). Durch diese vielseitige Tätigkeit der
Waisenhausschwestern war immer ein reger Kontakt mit der Pfarrei St.
Barbara, sowie der katholischen und evangelischen Bevölkerung von
Erle gegeben, der sich besonders in den Notzeiten der beiden
Weltkriege bewährte.
1963 lebten 90 Kinder im Haus, die
in eine Säuglingsgruppe,
eine Krabbelgruppe, eine
Mittelgruppe und je eine Mädchen- und Jungengruppe für Kinder bis
zum 14. Lebensjahr eingeteilt waren. Die Kinder waren keine Waisen
und fühlten sich auch nicht als solche. Darum wurde das Waisenhaus
zum Kinderheim umbenannt und erhielt den Namen der Patronin St.
Elisabeth. Zu diesem Zeitpunkt begann die Entwicklung zur
familienähnlichen Gestaltung der Gruppen.
1973 - 75
wurden drei Kinderhäuser mit je 2 Etagenwohnungen erbaut;
dies ermöglichte eine konsequente Umstrukturierung des Heimbetriebes
auf familienorientierte Gruppen und die Dezentralisierung der
Gesamtorganisation. Schrittweise wurde die volle wirtschaftliche
Selbstversorgung - Einkauf, Essenszubereitung, Ausstattung und
Pflege der Wohnräume - in den Verantwortungsbereich der Gruppen und
ihrer Betreuer übergeben. Gleichzeitig änderte sich die
Zusammensetzung des Betreuungspersonals: qualifiziert ausgebildete
Erzieherlinnen arbeiteten mit Ordensschwestern in kleiner werdenden
Gruppen, deren Kinder die verschiedenartigsten Störungen
Zum Abschluss noch ein paar
Links zum Thema Lebensborn